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Sefer haMizwot
(wörtl. "Buch der Gebote")
Ein von *Maimonides verfaßtes systematisches Werk, das sämtliche der nach der Tradition 613 *Toragebote anführt. Das S.H. diente als Vorlage dem Hauptwerk des Maimonides, dem *halachischen Gesetzeskodex *Mischne Tora, in dem diese Gebote dann hinsichtlich ihres Umfangs und Geltungsbereichs ausführlich behandelt werden. |
Sefirot
(Etwa "Potenzen")
Erstmals im kabbalistischen Buch Jezira beschriebenes und der gesamten *Kabbala unterliegendes Grundmodell einer Daseinsstruktur, die den Strom der unendlichen und unermeßlichen göttlichen "Fülle” in unsere endliche und begrenzte Welt kanalisieren soll. Es gibt zehn solcher S., welche mitunter in hierarchischer Abfolge (von oben nach unten), mitunter als konzentrische Kreise (ineinander) veranschaulicht werden. |
Segensspruch
(hebr. "Beracha")
Die von den jüdischen *Weisen in eine feste liturgische Form gegossene Herstellung der menschlichen Beziehung zu Gott, bei der ein Tatbestand, eine Handlung bzw. eine Bitte auf Gott zurückgeführt werden. S.e sind ein einfaches Mittel, die Gesamtheit der Realität in einen götllichen Rahmen zu stellen. "Hundert Segenssprüche soll man am Tag sprechen", heißt es im *Talmud (Menachot 43b). Die S.e fangen meist mit "Gesegnet seist Du, Ewiger, unser Gott, König der Welt ..." an. Die im Alltag häufigste Art von S.en wird vor und nach dem Essen und Trinken gesprochen, indem das Bewußtsein auf Gottes lebensspendende Fürsorge für den Menschen gelenkt wird. Wer die Früchte dieser Welt genießt, ohne ihres Urhebers zu gedenken, gilt als ein Dieb, heißt es im Talmud (Talmud Berachot 35a-b). Eine andere Art von S.en wird vor der Ausführung eines Gebotes gesprochen, womit die religiös bestimmten Handlungen aus dem Gesamtarsenal der menschlichen Handlungen herausgehoben werden. Weitere S.e enthalten entweder die Preisung einer von Gottes Wohltaten oder - wie z.B. das Bittgebet - einen in eine solche Preisung eingebetteten Wunsch. S. helfen dem Menschen, sein Bewußtsein auf bestimmte in ihnen angesprochene Inhalte zu fixieren. Der erste Talmudtraktat, "Berachot", behandelt die verschiedenen Gelegenheiten, bei denen ein Jude einen S. spricht. |
Sieben Gebote
Die nach talmudischer Überlieferung von Gott der Gesamtmenschheit (den Kindern Noahs) auferlegten Gebote. Sie beinhalten 6 Verbote und ein Gebot. Es handelt sich um das Verbot 1) des Götzendienstes 2) der Gotteslästerung 3) des Mordes 4) der Inzucht und des Ehebruchs 5) des Diebstahls 6) des Genusses von Fleisch von einem noch lebenden Tier (d.h. ohne vorherige Schlachtung), sowie 7) das Gebot, eine Gerichtsbarkeit einzurichten (Talmud Sanhedrin 56a-b). |
Siwan
Monat des *hebräischen Kalenders im Frühsommer. Im Monat Siwan findet das *Schawuot-Fest statt. |
Slichot
(Pluralform von hebr. "Slicha", "Verzeihung")
Die den *Hohen Feiertagen vorausgehenden sowie in der Folge auch zwischen *Rosch haSchana und *Jom Kippur gesprochenen Bußgebete, in denen Gott um Sündenvergebung gebeten wird. |
Soloweitschik, Rabbi Josef Dow (Bär)
(Pruzana 1903 - Boston 1993) Nach seiner Ankunft in der "neuen Welt" (1932) galt S. insbesondere in Folge seiner Lehrtätigkeit an der New-Yorker Yeshiva University (seit 1941) als der geistige Anführer des orthodoxen amerikanischen Judentums und der dortigen, dem *Zionismus verpflichteten *Misrachi-Bewegung. S. war in Amerika schlicht als "the Rav" bekannt und gilt als einer der herausragendsten Toragelehrten der Neuzeit. Er entstammte einer alten litauischen Rabbinerfamilie und war Enkel des berühmten Rabbi Chajim Soloweitschik (1853-1918) aus Brisk (Brest-Litowsk), dessen neuartige analytische Methode des Talmudstudiums er weiterentwickelte. Neben dieser Methode legt die von S. weitergeführte "Brisker Schule" besondere Betonung auf den "Mischne Tora", den religionsgesetzlichen Kodex des Maimonides. S.s Auffassung des Judentums ist von einer Synthese zwischen diesen Pfeilern des Judentums und einem selbstständigen, vom Neo-Kantianismus sowie vom Existenzialismus bestimmten philosophischen Ansatz geprägt (siehe z.B. "Isch haHalacha", 1944), den sich S. in seiner Jugend zum großen Teil in Berlin aneignete, wo er 1931 seinen Doktortitel in Philosophie erwarb. |
Stiftszelt
(Auch Stiftshütte, hebr. "Mischkan")
Eine Art transportierbarer zeltförmiger Tempel, Zentrum des jüdischen Gotttesdienstes während der Wüstenwanderung. Das St. hatte einen Vorhof, einen Vorplatz, wo sich der Opferalter befand, einen als "Heiliges” bezeichneten Raum, in dem u.a. der siebenarmige Leuchter (Menora) stand, sowie das Allerheiligste, das die Bundeslade enthielt. Das St. wurde bei Bedarf auf- und abgebaut. Erst lange nach der Landnahme wurde das St. unter König *Salomon durch den Jerusalemer *Tempel ersetzt. |
Sukka
(dt. Laubhütte)
Die *religionsgesetzlich vorgeschriebene, einen betont provisorischen Charakter tragende Hütte, in der man am *Sukkotfest "wohnen" (vor allem seine Mahlzeiten einnehmen, wenn möglich auch schlafen) soll. Die S. bezieht ihren Namen von ihrem Dach, dem sog. "S'chach". Das "S'chach" ist ein aus jeglichem unbearbeitetem gepflückten Pflanzenmaterial (z.B. aus laubbedeckten Zweigen, daher der deutsche Name "Laubhütte") herzustellendes Dach, das gerade die Hauptfunktion des Daches, den Schutz vor den Unbillen des Wetters, nur dürftig zu erfüllen hat: Es muss zwar einerseits "mehr Schatten als Sonne" bieten, sollte andererseits aber regendurchlässig sein (Schulchan Aruch, Orach Chajim 631,1-3 und die Kommentatoren z.St.). |
Sukkot
Laubhüttenfest. Siebentägiges (in der *Diaspora achttägiges) Fest im Herbstmonat Tischri und drittes der drei *Wallfahrtsfeste. Es wird gefeiert, "damit eure Nachkommen erfahren, dass Ich die Kinder Israel in Hütten habe wohnen lassen, als Ich sie aus dem Land Ägypten herausführte" (Lev. 23,43). In landwirtschaftlicher Hinsicht trägt S. den Charakter eines Erntedankfestes ("Chag ha'Assif"). Es gilt als das freudigste der drei Wallfahrtsfeste. Zur Zeit des Tempels kam die Festtagsfreude insbesondere an der während des Sukkotfestes im Tempelvorhof veranstalteten Zeremonie des "Wasserschöpfens" zum Ausdruck. Mit ihr wurde die lebensspendende Funktion des uns aus Gottes Hand als Regen zuteilwerdenden Wassers gefeiert. "Wer die 'Freude des Wasserschöpfens' nicht erlebt hat, hat zeitlebens keine Freude erlebt", heißt es im *Talmud (Sukka 51a). Neben der für dieses Fest vorgeschriebenen Verlegung des "Wohnens" in die *Sukka, gilt S. auch als das Fest der "vier Arten", einem aus vier Gewächsarten bestehenden Feststrauß, der beim Morgengebet geschwenkt wird. Die sich in diesem Feststrauß vereinigenden vier Gewächsarten weisen unterschiedliche Eigenschaften auf und symbolisieren nach Meinung der Weisen die alle individuellen Unterschiede übergreifende Einheit Israels (*Midrasch Wajikra Rabba 30). |
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