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Judentum

Glossar (alphabetisch geordnet)


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Talmud
(wörtl. etwa "Lernen", "Unterricht")
Aus 6 "Ordnungen" und insgesamt 63 Traktaten bestehendes Hauptwerk der mündlichen jüdischen Lehre, die die schriftliche Lehre (*Tora) begleitet und erläutert. Der Talmud beinhaltet einen inneren Kern, die *Mischna (eine im 2. Jh. fertiggestellte Sammlung der bis dahin nur mündlich überlieferten Gesetzesvorschriften), und die sie begleitenden Diskussionen späterer Gelehrter (auch als "Gemara" bekannt). Neben Erörterungen des jüdischen Gesetzes (*Halacha) enthält er auch zahlreiche Erzählpassagen (*Agada). Es gibt den Babylonischen und den Jerusalemer Talmud. Beide wurden etwa im fünften Jahrhundert endredigiert und umfassen Diskussionen jüdischer Gelehrter aus mehr als acht Jahrhunderten.

Tannaiten
(aram., wörtl. etwa "Lehrer")
Die jüdischen Weisen der *Mischna.

Taschlich
(wörtl. etwa "Abwerfen")
Ein am Nachmittag des ersten *Rosch haSchana-Tages befolgter Brauch, bei dem man in der Nähe eines Gewässers die Sünden "abschüttelt". Dabei werden die Verse Micha 7,18-19 gesprochen: "Wer ist ein Gott wie Du, der Schuld erträgt und Sünde vergibt dem Überrest Seines Erbteils. (...) Du wirst in die Tiefen des Meeres werfen (hebr. "taschlich") all ihre Sünden". Man pflegt dabei, in Anlehnung an Nehemia 5,13, seine Taschen leerzuschütteln, um sich so auf symbolische Art aller Sünden zu entledigen.

Tempel
(hebr. "Bet haMikdasch")
Der nach jüdischer Tradition Gottes Gegenwart am stärksten offenbarende räumliche Brennpunkt der Heiligkeit auf Erden. Zentrum des jüdischen Gottesdienstes und der jüdischen Gotteserfahrung, die ohne den T. immer unvollständig bleiben. Der einzige für den T. geheiligte Ort ist der Tempelberg in Jerusalem. Dort stand seit seiner Erbauung durch König Salomon vom 10. Jh. v. bis zu seiner Zerstörung und der nachfolgenden *babylonischen Gefangenschaft im 6. Jh. v. der erste, im Anschluß an die *Rückkehr nach Zion (bis zu seiner Zerstörung im Jahre 70 n.) dann der zweite Tempel. Dort soll in Zukunft auch der in Jecheskels (Ezechiels) Vision (Kap. 40-44) beschriebene dritte Tempel stehen.

Teschuwa
(wörtl. "Umkehr", "Rückkehr")
Eine mit "Buße" oder "Reue" nur unzulänglich übersetzte Gemütsverfassung und Handlungsentschlossenheit, mit der nach jüdischer Tradition die grundsätzliche Abkehr von der Sünde bezeichnet wird. Die T. enthält Elemente der Selbsterkenntnis, der Reue, der Wiedergutmachung sowie eines festen Entschlusses für die Zukunft. Sie kann die Abkehr von einer spezifischen Sünde bezeichnen oder auch ein allgemeines Abwenden von einer als gottfern empfundenen Lebensweise und Weltanschauung. Mit ihr geht die Hinwendung zur jüdischen Lebensweise und zu jüdischen Werten einher. Als Rückkehr zu Gott gilt die T. in neuerer jüdisch-religiöser Literatur (*Rabbiner Kook, Orot haTeschuwa) als oberstes Prinzip allen Daseins und nimmt geradezu kosmische Dimensionen an.
Die zentrale Bedeutung der T. hängt mit der menschlichen Willensfreiheit zusammen. Nach traditioneller jüdischer Überlieferung hat wahre T. die Macht, selbst schwerste Sünden zu sühnen, und "die Stufe eines "Ba'al Teschuwa" (wörtl. ‚Meister der T.‘, gemeint ist einer, der sich von der Sünde abwendet) erreicht nicht einmal ein vollends Gerechter (der nie gesündigt hat)" (*Talmud
 Berachot 34b).

Tewet
Wintermonat. Monat des *hebräischen Kalenders.

Tischri
Herbstmonat. Monat des *hebräischen Kalenders. Jahresanfang im Hinblick auf die hebräische Jahreszählung. Im Monat Tischri werden folgende Feiertage begangen: *Rosch haSchana, *Jom Kippur und *Sukkot (siehe *Jüdische Feste). 

Tora
(wörtl. "Lehre")
Im engeren Sinne: Die 5 Bücher Moses (Pentateuch). Im erweiterten Sinn: Die gesamte jüdische Lehre.

Tora im Derech Erez
(wörtl. "Tora mit dem Weg der Erde")
Von Rabbiner Samson Raphael *Hirsch einer *Mischna (Awot 2,2 und 3,21) entlehnte Erziehungsdevise, die das Judesein in der postemanzipatorischen Zeit auch von *orthodox-jüdischer Seite her neu definiert. Im Gegensatz zur *talmudischen Bedeutung von T.i.D.E., bei der an ein eher pragmatisches Zusammenspiel zwischen Toragelehrsamkeit, Gesetzestreue und unumgänglichen allgemeinmenschlich-gesellschaftlichen Bedürfnissen und Tugenden gedacht wurde, bezeichnet das Konzept der T.i.D.E. bei Hirsch die "Vermählung des religiösen Wissens und religiösen Lebens mit … Bildung". Somit wurden auch bisher gemiedene kulturelle Aspekte der aufgeklärten nichtjüdischen Umwelt jüdischerseits übernommen. Die T.i.D.E. wurde seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zum Leitmotiv der orthodoxen deutschen Judenheit. Die Frage, ob T.i.D.E. durch die von ihr zum Ideal erhobene Absorbierung eines beträchtlichen Teils der deutschen Umweltkultur zu einer Stärkung des in Deutschland stark angeschlagenen orthodoxen Judentums oder zu dessen Verwässerung führte, ist umstritten.

Toragebote
Die von der Tora den Juden vorgeschrieben Ge- und Verbote, deren Anzahl nach jüdischer Tradition 613 beträgt (248 Gebote und 365 Verbote).

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Fäkultat für Jüdische Studien הפקולטה למדעי היהדות Bar Ilan Universität, Ramat Gan, Israel אוניברסיטת בר אילן