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Judentum

Glossar (alphabetisch geordnet)


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Babylonische Gefangenschaft
Das nach jüdischer Tradition siebzig Jahre währende, der Zerstörung des 1. *Tempels im Jahre 586 v. folgende Exil der Juden in Babylon, dem die erste *Rückkehr nach Zion folgte.

Balfour-Deklaration
Eine vom englischen Außenminister Lord Arthur J. Balfour dem Förderer der *zionistischen Bewegung Baron Rothschild im Namen der britischen Krone am 2. November 1917 schriftlich übermittelte, zur Veröffentlichung bestimmte Botschaft. Darin macht die britische Regierung der zionistischen Bewegung die Zusicherung, die Zionisten beim Aufbau eines jüdischen Nationalheims in dem von den Engländern im 1. Weltkrieg eroberten *Palästina zu unterstützen.

Bar Kochba-Aufstand
Ein in den Jahren 131-135 n. von Bar Kochba geleiteter Aufstand gegen die römische Besatzung Judäas, der trotz beträchtlicher Anfangserfolge (Befreiung des ganzen Landes) schließlich scheiterte. Der Name Bar Kochba, wörtl. "Sternensohn”, wurde dem Anführer des Aufstandes in Anspielung auf eine Prophezeiung in Num. 24,17 verliehen und ist Ausdruck der mit seiner Person verbundenen *Messias-Erwartung.
Für die Wiedereroberung Judäas mußte der damalige römische Kaiser Hadrian seinen besten Feldherren, Julius Severus, nach Judäa berufen. Die Zahl der gefallenen Aufständischen ging in die Hunderttausende. Auch auf römischer Seite waren die Verluste so groß, daß sich Hadrian gezwungen sah, bei seiner vor dem römischen Senat gehaltenen Siegesrede die sonst bei solchen Gelegenheiten übliche Formel "mir und meinen Legionen geht es gut" wegzulassen.
Das Scheitern des Aufstandes hatte schwerwiegende Folgen. Auf den Ruinen Jerusalems wurde die römische Stadt Aelia Capitolina errichtet, deren Betreten den Juden bei Androhung der Todesstrafe untersagt war. Die dem B.K.A. folgenden antijüdischen Dekrete verboten den Juden im Lande die Religionsausübung und legten ihnen materielle Bürden auf, die ihnen das Leben in Judäa (das nunmehr in Palästina umbenannt wurde) so gut wie unmöglich machten. Langfristig folgte dem B.K.A. - der auf die Wiederherstellung der jüdischen Souverenität in Judäa und den Wiedererrichtung des *Tempels
 in Jerusalem ausgerichtet war - die Zerstörung des jüdischen Zentrums im heiligen Land, womit die Zerstreuung der Juden über die ganze Welt besiegelt wurde.

Brachjahr
(Hebr. "Schewi'it" oder "Schemita")
Ein von der Tora (Ex. 23,10-11, Lev. 25,1-7) verordnetes, alle sieben Jahre wiederkehrendes landwirtschaftliches Ruhejahr, in dem landwirtschaftliche Arbeiten verboten sowie die Besitzansprüche der Landeigentümer zugunsten der Allgemeinheit für ein Jahr ausgesetzt werden. Da gerade für das dem Brachjahr vorangehende sechste Jahr von der Tora reiche Ernte versprochen wird (Lev. 25,20-21), kann das biblische B. nicht als für die Erholung des landwirtschaftlich überanspruchten Landes konzipiert verstanden werden. Es hatte vielmehr eine religiöse und eine soziale Funktion. Im Hinblick auf die erstere gilt es als Hinweis auf Gottes letztendliches Eigentumsrecht auf das Land (Lev. 25,23). In die soziale Funktion fügt sich ein weiterer zentraler, nicht-landwirtschaftlicher Aspekt des B.s: der Schuldenerlaß (Dt. 15,1-2). Die für das B. verkündete Verjährung aller Schulden wurde allerdings bereits im 1. Jh. v. durch die *Prosbul-Regelung ausgesetzt.

Brauch
(Hebr. "Minhag")
Als B.e werden all diejenigen gemeinschaftlich geübten religiösen Handlungen oder auch Unterlassungen bezeichnet, an deren Ursprung keine *religionsgesetzliche Basis auszumachen ist. Dies ist z.B. der Fall, wenn sie auf einer den Propheten zugeschriebenen Überlieferung basieren oder einfach von breiten Schichten des Volkes gepflegt werden, ohne daß für sie eine autoritative Quelle angegeben werden kann. Es gibt auch ortsgebundene B.e.
Trotz fehlender religionsgesetzlicher Basis, sind Bräuche mitunter von großer Verpflichtungskraft (Mischna Bawa Kama 17,1; Talmud Menachot 20b), manche von ihnen haben geradezu Gebotscharakter. Die Grenze zwischen B. und *rabbinischem Gebot
 erscheint daher manchmal als fließend.

Breuer, Isaac
Energischer Vorkämpfer des *orthodoxen deutschen Judentums in der letzten Generation vor der *Schoa und einer seiner originellsten und tiefsinnigsten Denker. Enkel des Rabbiners Samson Raphael *Hirsch. In philosophischer Hinsicht ein erklärter Kantianer (Hauptwerk „Der neue Kusari", 1934) und Doktor der Jurisprudenz, machte sich B. als orthodoxer Literat und Intellektueller sowie als redegewandter Anführer der *Austrittsgemeinde einen Namen. B. sah sich in Wort und Tat als Nachfolger S.R. Hirschs. Obwohl er den *Zionismus bekämpfte, da er ihn als *Assimilation auf nationaler Ebene ansah, propagierte er „die Bereitstellung des jüdischen Volkes und Landes zu ihrer Wiedervereinigung". Diese sei allerdings nur „unter der Herrschaft Gottes" legitim. B. war führend in der *Agudat Jisrael tätig, obwohl sich seine Orientierung aufs Land Israel dort nicht durchsetzen konnte. Im Jahre 1936 wanderte B. aus Frankfurt nach *Palästina aus, wo er 10 Jahre später verstarb.

Bund des Regenbogens
Nach der Sintflut zwischen Gott und der Gesamtmenschheit geschlossener Bund, in dem sich Gott verpflichtet, keine Sintflut mehr über die Menschheit zu bringen. Als Zeichen des Bundes bestimmte Gott den Regenbogen (Gen. 9, 8-17).

Bundestafeln
(Hebr. „Luchot haBrit")
Die beiden Moses im Anschluss an die Offenbarung am Berg Sinai von Gott übergebenen Gesetzestafeln (Ex. 34,1;28-29) mit den zehn Geboten (Ex. 20,2-14). Es handelt sich hierbei um die zweiten Gesetzestafeln, da die ersten von ihm nach der Sünde des goldenen Kalbes zerschmettert wurden (Ex. 32,19). Die B. wurden nach Zeugnis der Bibel bis zur *Zerstörung des 1. Tempels in der Bundeslade, die sich im *Allerheiligsten befand, aufbewahrt. Danach verlieren sich ihre Spuren. Nach talmudischer Tradition wurde die Bundeslade mit den B. vor der Zerstörung des ersten Tempels in den Boden des Tempelberges versenkt (Joma 53b). Im zweiten *Tempel stand das Allerheiligste bereits leer.

Fäkultat für Jüdische Studien הפקולטה למדעי היהדות Bar Ilan Universität, Ramat Gan, Israel אוניברסיטת בר אילן