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Judentum

Glossar (alphabetisch geordnet)


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Sachor
Die beiden häufigsten Bedeutungen, in denen dieser Begriff auftaucht, sind zwei Toraversen entlehnt:

1) "Gedenke ('Sachor') dessen, was dir *Amalek getan hat auf dem Wege, als ihr aus Ägypten gezogen seid" (Dt. 25,17).
Das hier angesprochene Gedenken Amaleks, wurde *religionsgesetzlich als Gebot kodifiziert (*Maimonides). Der Vers Dt. 25,27 und die beiden ihm nachfolgenden Verse werden am *Schabbat vor dem Purimfest, an dem die Juden ihre Errettung von den Vernichtungsplänen des Amalekiters Haman feiern (siehe Estherbuch), bei einer eigens zum Zwecke dieses "Gedenkens" angesetzten *Toralesung gelesen. Dieser Schabbat heißt daher "Schabbat Sachor".
2) "Gedenke ('Sachor') des Schabbattages ihn zu heiligen" (Ex. 20,8).
Da dieser Vers das vierte der zehn Gebote (das Schabbatgebot) einleitet, wird sein Anfangswort "Sachor" mitunter als Abkürzung für dieses Gebot verwendet. Dies geschieht beispielsweise auf Abbildungen, wo die zwei Bundestafeln mit den zehn Geboten dargestellt werden. Dort werden die jeweiligen Gebote dann oft nicht ausgeschrieben, sondern nur mit ihren Anfangswort gekennzeichnet.
Es soll darauf hingewiesen werden, dass es noch weitere Schriftstellen gibt, in denen die Juden mit "Sachor" in irgendeinem Zusammenhang zum "Gedenken" aufgefordert werden (siehe z.B. Dt. 7,18; 9,7; 16,3; 24,9; 32,7 u.a.m.).

Sadduzäer
(hebr. "Zedukim", wahrscheinlich vom *Priester Zadok abgeleitet)
Eine in Kreisen der höheren Gesellschaftsschichten, vor allem unter den Tempelpriestern in der Ausgangsperiode des 2. *Tempels verbreitete jüdische Sekte, die die Autorität der *mündlichen Lehre ablehnte und allein die Schrift anerkannte. Die S. wurden aufs heftigste von den *Pharisäern bekämpft, die die Autorität der mündlichen Lehre verteidigten. Die Differenzen zwischen den S. und den Pharisäern in Fragen des lebensformenden jüdischen *Religionsgesetzes waren unüberbrückbar. Nach der Tempelzerstörung im Jahre 70 konnten sich die S. nicht halten. Ihre Grundsätze sollten indes mehrere Jahrhunderte später bei den *Karäern eine Wiedergeburt erleben.

Salomo(n)
(hebr. "Schlomo")
Nach Schaul (Saul) und David dritter israelischer König. Sohn Davids. S. war nicht Davids Erstgeborener. Die noch zu Lebzeiten seines Vaters erfolgte Krönung zum König über Israel, die nicht widerstandslos verlief (1. Könige, Kap. 1), verdankte S. der Intervention seiner Mutter Bat-Schewa sowie des Propheten Nathan. S. regierte in Jerusalem etwa von 960 bis 920 (nach anderen Berechnungen 971 bis 931) v.d.Z. Die Zeit seiner vierzigjährigen Königsherrschaft gilt als die Glanzzeit Israels. Denn während S.s Vater David noch zahlreiche Kriege zur Festigung seiner Herrschaft und Vergrößerung des Reiches führen mußte und sich unter S.s Sohn Rechawam das jüdische Reich bereits in ein Nord- und ein Südreich (Jisrael und Jehuda) spaltete, konnte unter S.s Herrschaft "ein jeder friedlich unter seiner Weinrebe und unter seinem Feigenbaum wohnen" (1. Könige 5,5).
S.s Leben und Wirken wird in den ersten elf Kapiteln des 1. Königsbuches sowie den ersten 9 Kapiteln des 2. Buches der Chroniken geschildert. Besonders hervorzuheben ist der von ihm durchgeführte und vollendete Bau des 1. *Tempels
 in Jerusalem, dem die Schrift breitesten Raum widmet (1. Könige 5,16 bis Kap. 8).
S.s Weisheit gilt in der jüdischen Tradition als sprichwörtlich (vgl. 1. Könige 5,9-14 sowie das berühmte Beispiel der zwei Frauen, die sich um ein Kind streiten, ebd. 3,16ff). S. ist nach der jüdischen Tradition Verfasser dreier biblischer Bücher: Mischley (Sprüche), Schir haSchirim (Hohelied) sowie Kohelet (Prediger). Auch einige Psalmen werden ihm zugeschrieben. Dennoch wird die Gestalt S.s von der Schrift nicht idealisiert. So kritisiert sie, daß S. gegen Ende seiner Tage Götzendienst zuließ (1. Könige 11,4-8), und es geht aus ihr klar hervor, daß er selbst zur sofort nach seinem Tode eingetretenen Spaltung des Reiches beitrug (ebd. 11,11 sowie 12,4).
S.s überragende Gestalt hat in Form von Sagen auch in die christliche und moslemische Welt Eingang gefunden.

Samaritaner
Ein nach der Eroberung des Nordreiches Israel durch die Assyrer im 8. Jh. v.d.Z. dort angesiedelter nichtjüdischer Volksstamm. Die Ansiedlung der S. im Norden Israels (Samaria) war Teil einer im Altertum seitens der meisten Eroberer allgemein praktizierten Bevölkerungspolitik, in deren Rahmen ganze Völker umgesiedelt wurden. Die S. mischten sich im Land vielleicht mit verstreuten Überresten der ihrerseits von den Assyrern ebenfalls in die Fremde exilierten jüdischen Bevölkerung. Wie bei den meisten derart ihres Heimatbodens beraubter Volksgruppen damals üblich, nahmen auch die S. einige Bräuche des fremden "Landesgottes", in diesem Fall des Gottes der Juden, an. Die jüdische Religion erkennt einen Übertritt von Nichtjuden zum Judentum, wenn aus ehrlichen religiösen Motiven erfolgt, grundsätzlich an. Da nach jüdischer Tradition die Hinwendung der S. zum Judentum jedoch auf eher zweifelhaften Motiven beruhte und auch nicht vollständig war, stellte sich nach der *Rückkehr nach Zion die Frage nach der Zugehörigkeit der S. zum jüdischen Volk. Diese wurde jüdischerseits schließlich negativ beantwortet. Die Gemeinschaft der S. ist heute auf einige wenige Tausend Seelen zusammengeschrumpft, die größtenteils in Israel (vor allem in Schechem/Nablus) leben.

Sanhedrin
(auch: Synhedrion; aus dem Griechischen)
Die zur Zeit des Zweiten *Tempels sich in der sog. Quaderhalle im Tempelbezirk befindliche, aus 71 Weisen bestehende oberste jüdische Gerichtsinstanz, die sich noch eine geraume Zeit nach der Tempelzerstörung halten konnte. Das S. hatte sowohl judikative als auch legislative Befugnisse.

Schabbat
Samstag. Von der Tora vorgeschriebener wöchentlicher Ruhetag (Ex. 20, 8-11). Der den Juden heiligste Tag. Der Sch. zeichnet sich vor allem durch ein tiefgreifendes religionsgesetzliches *Werkverbot aus, das ihm den für ihn charakteristischen Ruhecharakter verleiht. Der Schabbat beginnt am Freitagabend vor Sonnenuntergang und endet am Samstagnacht nach dem Aufgang dreier Sterne am Himmel.

Schabbatgebete
Besondere am *Schabbat gesprochene Gebete.

Schabbatmahlzeit
Eine der drei für den Schabbat vorgeschriebenen festlichen Mahlzeiten.
Die Sch.en zeichnen sich durch eine festliche familiäre Atmosphäre aus. Abends und morgens bzw. mittags wird die Sch. jeweils mit einem *Kidusch (wörtl. "Heiligung") eingeleitet, einem Segensspruch über Wein, der den Heiligkeitscharakter des Schabbat und der Sch. hervorhebt. Zwei ganze, meist geflochtene Schabbatbrote ("Challot" bzw. "Berches") sollen den Tisch zieren. Der Umstand, daß das Kochen zu den am Schabbat verbotenen *Werktätigkeiten
 zählt, machte bei Juden verschiedener Kulturen unterschiedliche Schabbatspeisen gebräuchlich, deren gemeinsamer Nenner darin besteht, daß sie vor Anbruch des Schabbat gekocht und über Nacht warmgehalten werden können.

Schaltjahr
Ein Jahr mit dreizehn Monaten. Der dreizehnte Monat wird zwischen die Frühlingsmonate Adar und Nissan eingeschaltet und heißt Adar-Bet. Nach dem *hebräischen Kalender ist das jeweils 3.,6.,8.,11.,14.,17. und 19. Jahr in einem 19-Jahre-Zyklus ein Sch. Die Sch.e ermöglichen eine Anpassung des Mond- an den Sonnenzyklus. Diese Anpassung ist notwendig, da das jüdische *Religionsgesetz bestimmte jüdische Feste zusätzlich zu ihrem präzisen Monatsdatum, das nach dem Mondzyklus berechnet wird, auch an eine Jahreszeit bindet.

Schawuot
(wörtl. „Wochen")
Das zweite der drei *Wallfahrtsfeste und das einzige, das nur einen (in der Diaspora zwei) Tag(e) begangen wird. Seinen Namen, „Wochenfest", hat Sch. seiner Datierung in der Tora zu verdanken. Diese wird nämlich nicht, wie alle anderen Feiertage, mit einem bestimmen Monatsdatum bezeichnet, sondern mit einem siebenwöchigen Abstand von dem ihm vorangehenden *Pessachfest: „Sieben Wochen sollst du dir zählen … und sollst (dann) feiern das Fest der Wochen" (Dt. 16,9-10). Nach jüdischer Überlieferung gilt Sch. als das Fest der Übergabe der Tora am Berg Sinai („Chag Matan Tora") und wird am 6. *Siwan gefeiert. Mit dieser heilsgeschichtlichen Bedeutung des Festes geht eine von der Tora ebenfalls ins Auge gefaßte landwirtschaftliche Bedeutung einher. In dieser Hinsicht gilt Sch. als das Fest der *Erstlingsfrüchte ("Chag haBikurim"). Es eröffnete die "Saison" für das von der Tora vorgeschriebene Darbringen der Erstlingsfrüchte (*Maimonides, Mischne Tora, Hilchot Bikurim 2,6). Zur Zeit des *Tempels zeichnete es sich darüberhinaus durch das einmalige Darbringen von zwei besonderen Broten aus, die aus dem neuen Weizen zubereitet wurden.

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Fäkultat für Jüdische Studien הפקולטה למדעי היהדות Bar Ilan Universität, Ramat Gan, Israel אוניברסיטת בר אילן