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Judentum

Glossar (alphabetisch geordnet)


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Rabbiner
(hebr. "Rabbi", wörtl. "Mein Lehrer", auch Raw)
Ursprünglich Titel hervorragender Gelehrter der *talmudischen Zeit. Ein R. ist meist für eine bestimmte ihm anvertraute jüdische Gemeinde zuständig. Seine oberste Aufgabe ist die Vermittlung und Weitergabe von Torakenntnis. Darüberhinaus soll er in *religionsgesetzlichen Fragen von den Gemeindemitgliedern konsultiert und seine diesbezügliche Entscheidung auch befolgt werden. Sekundär ist der Rabbiner oft auch als Seelsorger tätig.

Rabbinische Gebote
Von den jüdischen Weisen im Laufe der Geschichte erlassene Vorschriften, Gebote und Verbote. Die gesetzgebende Autorität der Rabbiner ist nach jüdischer Tradition in Dt. 17,9-11 verankert. Rabbinische Gebote sind genauso verbindlich wie *Toragebote, wenn es auch zwischen diesen beiden Arten von Geboten gewisse quasi-juristische Unterschiede gibt. Grundsätzlich können rabbinische Gebote, da von Menschen erlassen, von Menschen wieder aufgehoben werden. Diese Möglichkeit ist jedoch nicht dem Einzelnen überlassen. Sie ist nur dann gegeben, wenn die Autorität der aufhebenden Körperschaft als größer anerkannt wird als die der erlassenden.

Rambam
In jüdischen Kreisen gebräuchliches Akronym für *Maimonides.

Raschi
(Abk. für Rabbi Schlomo ben Jizchak, Troyes 1040-1105)
Der wohl bedeutendste Gelehrte des mittelalterlichen *aschkenasischen Judentums. Verfasser eines *Tora- und Bibelkommentars sowie eines Kommentars zum babylonischen *Talmud. R.s Torakommentar gilt in der jüdischen Welt unangefochten als der Torakommentar schlechthin. Seine Stärke liegt einerseits in seiner Klarheit und Einfachheit, andererseits darin, daß er eine Brücke zur *mündlichen Lehre schlägt. Nach Erfindung der Druckkunst war R.s grundlegender Torakommentar das erste hebräisch gedruckte Buch überhaupt (1475), und er wird bis heute in den meisten gedruckten Toraausgaben mit großer Selbstverständlichkeit mit abgedruckt. R.s Torakommentar wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt. Die lateinische Übersetzung wurde auch von christlichen Gelehrten benutzt und übte so auf Umwegen u.a. auf Luthers Bibelübersetzung Einfluß aus. Wie R.s Torakommentar gilt auch sein Talmudkommentar als der grundlegendste, und er fehlt in so gut wie keiner gedruckten Ausgabe des babylonischen Talmud.
Seine Studienjahre verbrachte R. in Worms, und einige dort bis heute noch erhaltene jüdische Stätten sind mit seinem Namen verbunden. Im Jahre 1065 gründete R. in seiner Heimatstadt Troyes eine *Jeschiwa
, die sich sehr schnell einen hervorragenden Namen erwarb.

Reformjudentum
Eine seit Anfang des 19. Jahrhunderts von Deutschland ausgehende jüdische Reformbewegung, die sich die harmonische Integration der Juden in der von der christlich-abendländischen Aufklärung geprägten kulturellen Umwelt zum Ziel gesetzt hat. Das R. wurde mithin - im Gegensatz etwa zum Protestantismus - weniger aus brennenden religiösen Motiven, als vielmehr aus emanzipatorischen gesellschaftlichen Bestrebungen geboren. Das R. lehnte die Autorität der *mündlichen Lehre sowie der *Halacha ab und verwarf insbesondere "Zeremonien", die die Integration der Juden in die christliche Umwelt erschwerten. Es bekämpfte das traditionelle talmudische Judentum - von ihm als "*orthodox" bezeichnet. In der Mitte des 19. Jahrhunderts erwarb sich das R. unter der Führung von Abraham Geiger eine eigene wissenschaftlich-theologische Grundlage, die jedoch nicht verhindern konnte, daß es sich in eine extrem reformatorische und eine eher konservative Richtung spaltete. Die geistigen Grundlagen des R.s sind bis heute in etwa gleich geblieben, wenn sich auch infolge der wachsenden *Assimilation und religiösen Indifferenz in den eigenen Reihen der Schwerpunkt seiner öffentlichen Wirksamkeit verlagerte und manche der radikaleren Reformen wieder zurückgenommen wurden. Seine stärkste gesellschaftliche und geistige Basis hat das R. heute in den USA.

Religionsgesetz
s. *Halacha

Rema
(Abk. für Rabbi Moses Isserles, Krakau um 1525-1572)
Herausragender Toragelehrter und Zeitgenosse des *Rabbi Josef Karo. Verfasser der sog. "Hagahot" (Glossen) zu dessen *Schulchan Aruch. Seine Glossen fügte R. überall dort ein, wo die *aschkenasische von der vom Schulchan Aruch vertretenen *sefardischen *Halacha abweicht. Durch sie erst erreichte der Schulchan Aruch seinen bei aschkenasischen und sefardischen Juden gleichermaßen unangefochtenen Status als der maßgebliche religiöse Gesetzeskodex. Neben dem Torastudium beschäftigte sich R. auch eingehend mit den Wissenschaften, der Philosophie und der *Kabbala.

Responsen
(hebr. "Sche'elot uTeschuwot", wörtl. "Fragen und Antworten")
Seit der *gaonäischen
 Zeit im Judentum verbreitete selbstständige Literaturgattung, in der die jeweiligen maßgeblichen rabbinischen Autoritäten ihrer Zeit auf *halachische Anfragen Antworten erteilen, die sich auf den *Talmud stützen. Da die in den R. getroffenen halachischen Entscheidungen oft Präzedenzcharakter trugen und daher auch Wert für die weitere halachische Diskussion hatten, wurden sie von ihren Verfassern bzw. deren Schülern oft in schriftlichen Responsensammlungen festgehalten, von denen viele dann gedruckt wurden. So haben sich auch die R. führender mittelalterlicher Gelehrter - wie z.B. *Raschi und *Maimonides - erhalten.

Ritualmordlüge
Eine antijüdische Propagandalüge, wonach die Juden nichtjüdische Kinder töten würden, um deren Blut zu rituellen Zwecken zu gebrauchen. Die R. wurde vor allem im Mittelalter im christlichen Europa verbreitet, tauchte aber auch in der islamischen Welt (Damaskus 1840) und bis in die Neuzeit auf (Nationalsozialismus). Die Verbreitung der R. löste häufig Judenpogrome aus.

Rosch haSchana
(wörtl. "Kopf des Jahres")
Jüdisches Neujahr, das am ersten und zweiten Tag des hebräischen Herbstmonats Tischri begangen wird und auch als Tag des göttlichen Gerichts gilt. Das zentrale Gebot dieses Festes ist das *Schofarblasen. R.H. ist ein Tag der Besinnung und der Gebete und der erste der *Hohen Feiertage. Im Gegensatz zu allen anderen Festen wird R.H. nicht nur im Ausland, sondern auch im Lande Israel zwei Tage lang begangen. Diese Regelung hängt damit zusammen, daß R.H. als Monatserster mit dem Neumond zusammenfällt.

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Fäkultat für Jüdische Studien הפקולטה למדעי היהדות Bar Ilan Universität, Ramat Gan, Israel אוניברסיטת בר אילן